Wie geht Unterricht in Corona-Zeiten? Wir fragten bei Lehrpersonen in Deutschland und in der Schweiz nach. Selbstverständlich konnten wir digitale Geomedien und GIS nicht ganz außer Acht lassen. Trotzdem: Hier geht’s zum Blick über den GIS-Tellerrand hinaus.

Es ist natürlich kein Zufall, dass wir Geografie-Lehrpersonen von Gymnasien zum Interview gebeten haben. Christoph Tobias Traub vom Gregor-Mendel-Gymnasium in Amberg (Bayern), Jochen Arnold vom Balthasar-Neumann-Gymnasium in Marktheidenfeld (Bayern) sowie Roger Riner von der Kantonsschule Uetikon am See und Dominique Riek von der Kantonsschule Kollegium Schwyz standen uns Rede und Antwort.

Individuelle Gestaltung des Fernunterrichts

GIS ist und bleibt unser Thema. Trotzdem wollten wir wissen, wie denn der Unterricht während der Corona-Zeit an den einzelnen Schulen grundsätzlich organisiert ist. Die befragten Lehrpersonen nutzen den persönlichen Freiraum bei der Gestaltung der Lektionen.

In Bayern kommen das Kursnotizbuch von Teams und OneNote von Microsoft sowie die Plattform «Mebis» des Landesmedienzentrums Bayern zum Einsatz. Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten hier interaktive Lerneinheiten wie Videos, Drag and Drop- sowie Hotspot-Aufgaben, inklusive Übernahme der Antworten in das digitale Heft. Die Kommunikation mit der Klasse läuft über den Chat von MS Teams.

OneNotes: Interaktive Bearbeitung von Aufgaben im digitalen Heft. © Christoph Tobias Traub

«Interaktive Mebis-Kurse sind super. Die Schülerinnen und Schüler sehen sofort, ob ihre Antwort korrekt ist.»

Christop Tobias Traub, Gregor-Mendel-Gymnasium in Amberg (Bayern)

In der Schweiz finden zum Beispiel über Zoom Standortbestimmungen sowie die Einführung in eine Materie statt. Nach dem Online-Unterricht liegt der Fokus auf der selbstständigen Erarbeitung eines Themas mit Arbeitsaufträgen verschiedenster Art. Der «praktische» Teil umfasst unter anderem Online-Präsentation oder gar einen kleinen Film als Dokumentation.

Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung

Hier sind sich die Befragten einig. Chancen und Herausforderungen liegen sehr nah beisammen. Zum ersten Mal müssen sich Schulen in diesem Umfang mit der Digitalisierung auseinandersetzen. Der Unterricht wird individualisierter und interaktiver, die Arbeit mit digitalen Medien motiviert die Schülerinnen und Schüler.

Nicht nur die Jugendlichen lernen laufend dazu, auch die Lehrpersonen probieren Neues aus. Plötzlich wird der Videochat mit der Klasse zur Option für die Zukunft, zum Beispiel für eine Fragestunde vor Klausuren. Oder die Lehrerinnen und Lehrer entwickeln liegen gebliebene Themen weiter und formulieren sie neu.

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Option für die Zukunft: Klassenstunde per Videochat. Quelle: Annie Spratt on Unsplash

«Einen Videochat mit Schülerinnen und Schülern hätte ich früher sicher nicht gemacht.»

Jochen Arnold, Balthasar-Neumann-Gymnasium in Marktheidenfeld (Bayern)

Auch Herausforderungen gibt es, zum Beispiel bei der Infrastruktur mit überlasteten Servern und fehlendem Online-Zugang bei einzelnen Jugendlichen. Der Aufwand für Erstellung und Kontrolle der Aufgaben ist groß. Außerdem haben die Lehrpersonen generell weniger Übersicht über die Art und Weise, wie die Schülerinnen und Schüler lernen, wie motiviert sie sind – und ob sie Aufgaben überhaupt verstehen. Last but not least: Echte soziale Kontakte kann die digitale Welt definitiv nicht ersetzen.

Potenzial für GIS im Unterricht

Geht es nach den Befragten, hat GIS in der Schule großes Potenzial. Vor allem im digitalen Unterricht sehen sie viele Einsatzmöglichkeiten. Dazu braucht es idealerweise thematisch passende Vorlagen beziehungsweise Layer. Bereits etabliert haben sich an einzelnen Schulen auch die ArcGIS StoryMaps als Ersatz von Powerpoint-Präsentationen.

Beeindruckend und inspirierend: Geschichten erzählen mit ArcGIS StoryMaps. Quelle: Esri

Gerade bei größeren Projekten ist Potenzial für GIS vorhanden, zum Beispiel bei Matura-/Abitur-Arbeiten oder in Ergänzungsfächern. Einen idealen Einstieg in die GIS-Welt bieten auch abgeschlossene Projekte mit Lösungsbeispielen, die den Lehrpersonen zur Verfügung gestellt werden.

Wie funktionieren StoryMaps?

«Bereits drei meiner Schüler beschäftigen sich im Rahmen der Maturaarbeit mit GIS.»

Dominique Riek, Kantonsschule Kollegium Schwyz (CH)

GIS im Fernunterricht: Best Practice-Beispiele

Die Antworten unserer vier Lehrpersonen zeigen: GIS und Fernunterricht – das passt hervorragend. Wir sind echt begeistert – und natürlich auch ein wenig stolz – auf die vielfältigen Umsetzungen mithilfe unserer Tools. Deshalb kreieren wir aus den Interview-Antworten kurzerhand ein Best Practice mit ein paar Beispielen mit aktuellem oder regionalem Bezug:

Einstieg in GIS mit den «ArcGIS Tutorials für Schulen»

Die Coronakrise machte aus einem Wahlkurs mit GIS eine Online-Unterrichtseinheit. Als Basis dienten die neuen «ArcGIS Tutorials für Schulen». Eine weiterführende Aufgabe im Selbststudium kann das Thema vertiefen.

Zu den «ArcGIS Tutorials für Schulen».

Beobachtungsauftrag anhand eines Dashboards

Anhand der Corona-Karte der Johns Hopkins University lässt sich die Entwicklung der Covid-19-Fallzahlen in der EU und weltweit – auch rückwirkend – verfolgen. Die Jugendlichen beobachten eigenständig die Situation über einen längeren Zeitraum. Dabei notieren sie signifikante Veränderungen. Resultate und Diskussionsstoff liefert die abschließende gemeinsame Auswertung.

Zur Covid-19-Karte der Johns Hopkins University.

Erstellt mit Esri Technologie: das Corona-Dashboard der Johns Hopkins University.


Stadt- und Siedlungsentwicklung mit Survey123 for ArcGIS

Zuerst werden Gebäude entlang bestimmter Routen am Wohnort mithilfe von Survey123 for ArcGIS erfasst. Dann folgt die Analyse mit dem Vergleich der Standortfaktoren («früher» vs. «heute») mit anschließender Auswertung. Der Vergleich dieser Auswertung mit dem aktuellen Zonenplan ist die Basis für eine Diskussion über eine wünschenswerte Ortsentwicklung aus Sicht verschiedener Stakeholder.

Survey123 for ArcGIS: Mehr erfahren.

Learning by doing mit ArcGIS Online

Wer ohne Tutorials arbeiten möchte, wählt die «Step-by-Step»-Variante. Zuerst erstellen die Jugendlichen eine Umfrage in einem selbst gewählten Bereich. Anschließend lernen sie die Möglichkeiten von ArcGIS Online anhand eines vorgegebenen Themas kennen. Dann werten sie die eigene Umfrage aus, erstellen in ArcGIS Online die passenden Karten und präsentieren die Resultate vor der Klasse.

ArcGIS Online für Schulen: Die Vorteile.

«Einige Jugendliche waren sehr motiviert. Kaum hatte ich den Auftrag hochgeladen, durfte ich schon an der Umfrage teilnehmen.»

Roger Riner, Kantonsschule Uetikon am See (CH)

Innovations-Boost für die Schule oder Kommunikationsstau im Online-Chat? Wie läuft bei euch der Schulbetrieb in Corona-Zeiten? Mit welchen GIS-Themen und -Vorlagen können wir euch unterstützen? Schreibt uns: education@esri.de