Tipp für Studierende: Viele NGOs arbeiten mit GIS – und bieten Praktika an. Esri engagiert sich aktiv in diesem Bereich. Wir stellen euch drei Projekte beim IKRK, beim WWF und bei der Organisation IUCN vor.

Nachhaltigen Frieden und Wohlstand und den Planeten schützen: Das wollen die Global Goals (SDG) der Vereinten Nationen (UNO). Weltweit engagieren sich zahlreiche NGOs für die Umsetzung dieser Ziele. Sie arbeiten dabei intensiv mit Geografischen Informationssystemen (GIS) auf der Basis von Esri-Technologie. Was das genau heisst, zeigen wir euch anhand von drei konkreten Beispielen.

Visualisierung der Global Goals / SDG mit den bekannten bunten Würfeln.
Global Goals: Nachhaltigkeits-Initiative der UNO (Quelle: www.globalgoals.org, Public domain, via Wikimedia Commons)

NGOs – Entscheiden mit GIS

Wie bei allen Organisationen und Unternehmen geht es auch bei NGOs um den effizienten Einsatz vorhandener Mittel. Prioritäten abwägen und Aufgaben (um)verteilen ist ein permanenter Prozess. Dazu gehören unter anderem: bedürftige Gemeinschaften identifizieren, Ressourcen zuweisen, Ziele kommunizieren, bessere Interessenvertretung und allgemeine Steigerung der Produktivität. Nutzen sie GIS als Entscheidungshilfe und zur Steuerung ihrer Projekte, können sie ihre Ziele besser erreichen. Zudem wird die Wirkung messbar.

Heute sind die Anwendungsbereiche von GIS unglaublich vielfältig, wenn es um humanitäre Hilfe, Naturschutz und nachhaltige Entwicklung geht. Ob bei der Wiederherstellung eines lokalen Biotops oder bei der Verteidigung der Menschenrechte einer bedrohten Bevölkerung – GIS ist skalierbar und kann in verschiedenen Situationen eingesetzt werden.

GIS-Hub beim IKRK

Humanitäre Hilfe für Menschen in Konfliktgebieten auf der ganzen Welt: Beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) war der Bedarf an Kartografie vor Ort schon immer gross. Und er wächst stetig. Deshalb wurde bereits 2003 ein GIS-Team aufgebaut.

Eine der ersten Aufgaben des GIS-Teams war die Erstellung eines umfassenden Verzeichnisses mit Geodaten aller Einsätze der Organisation, ein sogenanntes Geodaten-Repository. Es enthält Datensätze zur allgemeinen Erreichbarkeit, zu wichtigen Dienstleistungen wie Krankenhäusern und Kraftwerken sowie zu Gefängnissen. Ausserdem sind alle Orte aufgeführt, an welchen sich Teams aufhalten – und an welchen sie tätig werden könnten.

Das Repository wird jedes Jahr und je nach Krise aktualisiert. Dieser enorme Aufwand garantiert, dass die Daten qualitativ hochwertig und so zuverlässig wie möglich sind. Zudem wird das System laufend weiterentwickelt. Um das Verzeichnis für alle Mitarbeitenden weltweit zugänglich zu machen, richtete das GIS-Team bereits 2010 ein Geoportal ein.


Geoportal 2.0

Esri-Tools beim IKRK

In den nächsten Monaten könnten diverse Esri-Produkte ins Geoportal 2.0 integriert werden, um die Dienstleistungspalette zu vervollständigen. Das sind zum Beispiel:

  • Survey123 für die mobile Datenerfassung.
  • Collector / Quick Capture für die sichere Datenübermittlung.
  • Drone2Map / ArcGIS Pro für die Erstellung von 3D-Oberflächenmodellen.
  • LocateXT für die Extraktion von räumlichen Daten aus Fliesstext
  • Machine Learning Tools / KI für die Erkennung von Objekten und Veränderungen auf Satellitenbildern.
  • GeoEvent für die sichere Verfolgung von Feldeinsätzen.

Der nächste Schritt war 2020 die Einführung von «G4ALL» («GIS für alle»). Mit diesem Programm soll das neue «Geoportal 2.0» zum GIS-Hub innerhalb des IKRK werden – mit über 170 thematischen Layern zum Teilen, Drucken und Exportieren von Karten.

Screenshot aus dem GIS-Hub 2.0 des IKRK - Beispiel für GIS bei NGOs
GIS-Hub des IKRK: «Geoportal 2.0» (Hauptbildschirm) (Quelle: ICRC GIS Team)

Gut zu wissen: Im GIS-Team des IKRK arbeiten heute in rund 30 Ländern 47 Personen aus den Bereichen Engineering, Geomatik und Webentwicklung. Seinen Jahresbericht 2020 publizierte es übrigens als sehr informative Story Map. Regelmässig kommen weitere Story Maps mit Fokus auf GIS-Analyse dazu – wie zum Beispiel bei der Schätzung der Grösse einer Bevölkerung mithilfe von Deep Learning.


Portal „Panda Globil“ des WWF

Auch im Umweltschutz spielen GIS-Anwendungen eine wichtige Rolle. Zahlreiche Initiativen fördern den Austausch von Geodaten und engagieren sich so für mehr Nachhaltigkeit. Ein gutes Beispiel ist das Portal «Panda Globil» des WWF. Es listet Geodaten, Karten und Anwendungen auf, die für Akteure im Naturschutz verfügbar sind. Informativ sind auch die Story Maps zu verschiedenen Themen.

Übersichtsseite des WWF-Informationsportals Panda Globil.
Panda Globil: WWF-Informationsportal (Quelle: https://globil.panda.org, WWF Panda Globil)

Das Portal ist sehr anwenderfreundlich: Nutzerinnen und Nutzer können Karten erstellen, Daten austauschen und der Öffentlichkeit ihre Arbeit online präsentieren. Panda Globil basiert auf ArcGIS Online.


Rote Liste der gefährdeten Arten der IUCN

Die Rote Liste der gefährdeten Arten ist den meisten Menschen ein Begriff. Wer sie führt, wissen allerdings wohl die wenigsten. Deshalb stellen wir diese Organisation kurz vor.

Die International Union for Conservation of Nature (IUCN) wurde 1948 in Frankreich gegründet. Sie ist die weltweite Autorität, wenn es um den Zustand der Natur und der natürlichen Ressourcen sowie um Massnahmen zu deren Erhaltung geht. Über 1.400 Mitgliedsorganisationen sowie 18.000 Expertinnen und Experten engagieren sich bei der IUCN mit Sitz in Gland (Schweiz).

Seit 1964 führt die IUCN diese Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Sie ist weltweit die umfassendste Informationsquelle über den Erhaltungszustand von Tier-, Pflanzen- und Pilzarten – und als Story Map verfügbar. Die Angaben sind sehr detailliert. Aufgeführt sind Verbreitungsgebiet, Populationsgrösse, Lebensraum und Ökologie der gefährdeten Arten.

Rote Liste der gefährdeten Arten mit einer Beispielansicht der Sand Cat.
Informativ und umfassend: Rote Liste der gefährdeten Arten (Quelle: Felis margarita (Sand Cat) (iucnredlist.org) – IUCN)

«Contributions for Nature» heisst ein neues, umfassendes Projekt der IUCN. Auf dieser digitalen Plattform können Mitglieder der UICN dokumentierten, wo sie konkret welche Massnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung der Natur planen. Ebenfalls wichtig sind Networking, Austausch und Aufbau von Partnerschaften. Es ist vorgesehen, auch die Rote Liste in dieses Portal zu integrieren, das mit ArcGIS umgesetzt wird. Nutzerinnen und Nutzer können so räumliche und nicht-räumliche Daten hochladen und mit geografischen Berichten visualisieren.


Einfacher zusammenarbeiten dank GIS

Entscheidend ist für diese Organisationen der Austausch von Informationen, und zwar unabhängig von ihrer Aufgabe. GIS ist ein hervorragendes Instrument für die Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Auch deshalb setzen viele NGOs auf das Nonprofit Organization Program von Esri. ArcGIS unterstützt sie bei ihrer Mission. Sie nutzen GIS, um fundierte Entscheidungen zu treffen, die betriebliche Effizienz zu steigern, Interessengruppen zu mobilisieren, Programme zu messen und zu optimieren, nachhaltige Einnahmen zu sichern und positive Auswirkungen zu präsentieren.

Tipp: Möchtet ihr als Studierende eure GIS-Kenntnisse für die Nonprofit-Community einsetzen? Schaut euch in der Branche um. Viele Organisationen bieten Praktika an. Das IKRK veröffentlicht zum Beispiel auf seiner Website jedes Jahr die Ausschreibung für einen einjährigen Stage. Bleibt zudem informiert, abonniert den Non-Profit-Update von Esri.