Vor zweieinhalb Jahren hielt ich einen kurzen Workshop an der Universität Rostock über die Esri Story Maps. Es freut mich sehr, dass u.a. dieser Workshop dazu Anlass gegeben hat, Story Maps in der Lehre ein zu setzten. Im folgenden Gastbeitrag berichten Dr. Annette Hey aus Dozentensicht und Herr Berger aus Studentensicht über Ihre Erfahrungen mit Esri Story Maps.   

Dr. Annette Hey; Dozentin, Universität Rostock
Als ich im Kollegenkreis das erste Mal von Story Maps hörte, war ich neugierig wie das funktioniert. Es klang so einfach und die Ergebnisse in der Galerie sahen beeindruckend aus. Story Maps sind eine Form des digitalen Geschichtenerzählens und dienen der Visualisierung raumbezogener Sachverhalte. Durch eine Kombination aus Karten, Texten, Bildern und Videos können recht umfangreiche Themenkomplexe anschaulich dargestellt werden. Das Zusammenstellen der Komponenten erfolgt online. Die fertigen Story Maps können per Link mit anderen geteilt werden. Soweit die Theorie.

Nach näherer Beschäftigung mit den Möglichkeiten von Story Maps war klar, dass es sich um ein sehr vielseitig einsetzbares Werkzeug handelt, dasse und gerade für Kreativität viel Platz botbietet. Also entschlossen wir uns die Story Maps als Visualisierungswerkzeug für einige Lehrveranstaltungen an der Professur für Geodäsie und Geoinformatik einzusetzen. Dies war zum einen die Summerschool „Geoinformatik und Landschaftswandel“ und zum anderen die Lehrveranstaltung „GeoImaging“. Während in der Summerschool die Ergebnisse einer Zeitreihenanalyse visuell umgesetzt werden sollten, konnte in der zweiten Lehrveranstaltung das (raumbezogene) Thema frei gewählt werden.

Die Ergebnisse waren sehr vielfältig und haben mich ob Ihrer ihrer Gestaltungs- und Themenvielfalt angenehm überrascht. Das Spektrum reichte von der Beschreibung einer Reise bis hin zur Darstellung geschichtlicher Entwicklungen. Auch bei der Wahl der vorhandenen Gestaltungstemplates war die Breite überraschend groß. Nahezu alle verfügbaren Grundformen wurden genutzt.

Aus meiner Sicht als Lehrkraft sind Story Maps für den Einsatz in Lehrveranstaltungen gut geeignet, weil sie einen einfachen Einstieg ermöglichen und der Kreativität der Studierenden viel Raum bieten. Es wird außerdem der Umgang mit digitalen Daten geschult. So können auch Aspekte, wie z.B. Urheberrechte und Freigabe von Daten thematisiert werden. Die erstellten Story Maps können zudem sofort auf Bedienbarkeit und optische Wirkung getestet werden.

Für einen Erfahrungsbericht aus der Perspektive eines Lehrveranstaltungsteilnehmers übergebe ich das Wort an einen Studenten, der an beiden Lehrveranstaltungen teilgenommen hat.

Herr  Markus Berger, Student, Universität Rostock
Über mein Studium hinweg habe ich an verschiedenen Kursen teilgenommen, in denen ArcGIS verwendet wurde, um vorher Gelerntes praktisch anzuwenden. Und während dies oft gut funktioniert hat, mussten doch immer wieder große Teile der Übungszeit dafür investiert werden, Grundlagen der Software zu erklären oder auftretende Probleme zu behandeln. Das ist natürlich nicht ideal. Als Studenten haben wir uns immer gefragt, ob das Ganze nicht auch einfacher sein könnte? Letztes Jahr wurden dann für eine Übungsaufgabe zum ersten Mal Story Maps eingesetzt. Schnell zeigte sich, dass die Antwort im Falle der Visualisierung von Ergebnissen ein klares „Ja!“ ist.
Wir erhielten ArcGIS Online Gastaccounts, loggten uns ein und schon konnten wir, dank des Webbasierten Interfaces, mit den verschiedenen Story Map-Optionen herumprobieren. Schnell begann ich mich zu fragen: Warum begegnet man Story Maps im Internet nicht häufiger? Sie sind anschaulich, intuitiv und bieten für begabte Designer sicher auch künstlerisches Potential.

Für die folgende einfache Story Map über astronomische Teleskope, musste ich z.B. nur Koordinatenpunkte für die einzelnen Stationen heraussuchen, diese nach ArcGIS Online importieren und konnte dann ohne weitere Hürden anfangen zu gestalten:

Autor: Markus Berger

Genau diese Entfaltungsmöglichkeit machte die Story Maps als für Studenten so interessant. Vorher musste in Übungen meistens mit vorgegebenen Beispieldatensätzen gearbeitet werden, da das Aufbauen von Geodatensätzen relativ komplex sein kann. Nutzt man jedoch Story Maps, kann man z.B. in einer Übung zur Kartographie schnell und ohne große Vorbereitungszeit ein Thema auswählen, das einen persönlich interessiert, damit experimentieren und am Schluss eine ansprechende, interaktive Karte erstellen. Einstellungsmöglichkeiten umfassen Grundkarten, die Darstellung von Daten selbst, die Legende, die Umrahmung und multimediale Zusatzinformationen in Form von Videos, Texten und Bildern.

Natürlich sind die vorher angesprochenen Entfaltungsmöglichkeiten auch in gewisser Weise begrenzt. Will man z.B. drei Karten vergleichen anstatt zwei, oder hat eine eigene Idee für ein spezielles Layout, wird man ohne ausgeprägte Programmierkenntnisse nicht weiterkommen. Für die Zukunft wäre ein weiterer Ausbau der Modularität in den Story Map-Vorlagen sicher interessant. Die Kartendarstellungen selbst können über ArcGIS Online bearbeitet werden und sind daher flexibler als der Rest der Story Map-Oberfläche, in diesem Fall aber auch weniger einfach und intuitiv.

Autor: Markus Berger

Doch der Nutzen von Story Maps geht über reine Visualisierungen hinaus. In dem Kurs „Geoinformatik und Landschaftswandel“ sollten die über das Semester in einer mehrstufigen Geodatenverarbeitung gewonnenen Daten und Ergebnisse in Form einer Story Map abgegeben werden. Keine klassische Ausarbeitung in einem Textdokument, nein, eine interaktive Kombination aus Karten, Bildern, Tabellen und Texten. Dies macht die Belegarbeit für Studenten interessanter, und das Endresultat möglicherweise sogar aussagekräftiger.

Kontakt: annette.hey@uni-rostock.de, markus.berger@uni-rostock.de